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HISTORISCHER HINTERGRUND
Die Entstehung der Jurade geht auf den 8. Juli 1199 zurück, an dem die "Felsencharta" durch Johann-ohne-Land unterzeichnet wurde, welche den Bürgern von Saint-Emilion das Recht gab, ihre Kommune frei zu verwalten. Unter der Regierung von Edward I. wurde dieses Recht auf die umliegenden Gemeinden ausgedehnt. |
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Saint-Emilion war für Verwaltung, Wirtschaftsordnung und sogar für Rechtsprechung zuständig, wodurch die Bezeichnung Jurade entstand.
Die Jurade von Saint-Emilion leitete die Geschäfte der Kommune nach außen. Sie kontrollierte und regelte die Verwaltung, sie übte die Ordnungsgewalt und die Gerichtsbarkeit aus.
Im Weinbau hielt die Jurade eine Vormachtstellung. Sie überwachte die Herstellung der „edlen" Weine, versah jedes Fass mit einem Brandzeichen (marque à feu du vinetier), setzte den Zeitpunkt der Weinlese fest (ban des vendanges), ging gegen Missbrauch und Betrug vor und zerstörte schlechten Wein.
Alle diese Schutzmaßnahmen sorgten für Reichtum in der Kommune und garantierten bis zur Französischen Revolution den hervorragenden Ruf des Weins von Saint-Emilion, welcher in England „König der Weine ” und von Ludwig XIV. „Göttertrank ” genannt wurde.
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DIE HEUTIGE JURADE
Die Jurade wurde 1948 als Weinbruderschaft wieder eingeführt und inspirierte sich an den im Laufe der Zeit verloren gegangenen Vorrechten und Pflichten. Jedes Jahr wird am dritten Sonntag im Juni das „Urteil des Neuen Weins" (jugement du vin nouveau) und am dritten Sonntag im September die „Verkündigung der Weinlesegenehmigung" (ban de vendanges) ausgerufen.
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Um das Ansehen und den Erfolg der Weine von Saint-Emilion zu fördern, führt sie in der ganzen Welt Weinproben und Inthronisationszeremonien durch. Im Ausland wurden Ableger der Weinbruderschaft in Form von Kanzleien ernannt: in London und York in England, in Flandern und in Wallonien in Belgien, in Texas für den nordamerikanischen Kontinent.
Die Jurade wird von einer aus 12 Mitgliedern bestehenden Ratsversammlung verwaltet und besteht aus maximal 54 Juraten:
- dem Premier Jurat
- dem Procureur Syndic (Sprecher der Jurade) und seinem Vertreter
- dem Clerc (Generalsekretär)
- dem Grand Vinetier (Verantwortlicher für den Weinkeller der Jurade) und seinem Vertreter
- dem Marauillier (Zeremonien- und Protokollmeister) und seinem Vertreter
- den Premiers Jurats d‘Honneur (Ehrenjuraten)
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KLEIDUNG UND ORDENSZEICHEN
- Das Kostüm besteht aus einer einfachen roten Robe, einer weißen, plissierten Halskrause, weißen Stulpen an den Ärmeln und einem weißen Überwurf mit Kapuze. Die Juraten tragen eine rote Kappe als Kopfbedeckung. Die Robe des Premier Jurat ist an den Vorderkanten mit weißem Hermelin besetzt. Treten die Juraten ohne Robe auf, tragen sie an der Schulter rote Schulterstreifen mit dem Abzeichen der Jurade.
INTHRONISATION
- Bei den Zeremonien zur Inthronisation verleiht die Jurade folgende Titel:
- Protecteur de la Jurade (Schützer der Jurade): außerordentlicher Titel, der nur an Herrscher, Mitglieder einer Herrscherfamilie oder Staatsoberhäupter verliehen wird.
- Pair de la Jurade: Dieser Titel geht nur an hohe Persönlichkeiten aus Politik, Diplomatie, Literatur, Kunst, Landwirtschaft, Militär u.s.w.
- Grand Aumônier, Aumônier und Prieur de la Jurade: dieser Titel ist nur kirchlichen Persönlichkeiten mit besonderen religiösen Aufgaben vorbehalten.
- Dame de la Jurade: dieser Titel wird an alle weiblichen Persönlichkeiten, die von der Jurade geehrt werden, vergeben.
- Prud‘homme de la Jurade: der Titel wird nach Beschluss durch die Ratsversammlung an Persönlichkeiten in den Berufen Winzer, Weinhändler, Weinmakler, Gastronom, Kellermeister, Weinkellner, Kaufmann u.s.w. vergeben.
- Vigneron d‘Honneur: geht an alle anderen Persönlichkeiten, die von der Jurade geehrt werden.
Die Jurade besteht inzwischen aus mehreren Tausend Mitgliedern und Botschaftern in der ganzen Welt.
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