Traditionsgemäß werden die Weine von Saint-Emilion aus verschiedenen Rebsorten zusammengestellt. Die drei wichtigsten Rebsorten sind Merlot, Cabernet franc (oder Bouchet) und Cabernet Sauvignon.

Die Qualität eines Weins hängt natürlich vom Geschmackspotenzial der Rebsorten ab: Zuckergehalt, Aromareichtum, Gehalt und Finesse der Gerbsäuren, Farbstärke.

Jede Rebsorte besitzt ihre Eigenheiten, die sich aus ihrer Anpassung an die Lage (Klima und Boden) ergeben. Um eine bessere Qualität zu erzielen, wählt der Winzer diejenige aus, die sich am besten in einem bestimmten natürlichen Milieu entfaltet.

In Saint-Emilion verteilen sich die Rebsorten wie folgt:

Merlot

Diese Rebsorte ist am häufigsten anzutreffen (über 60% der Bestockung). Es ist eine früh reifende Sorte, die in den meisten Böden des Weinbaugebiets Bordeaux gedeiht und sich in frischen und feuchten Böden tonhaltiger Beschaffenheit am wohlsten fühlt.

Merlot reift gut heran und verleiht dem Wein Farbe, hohen Alkoholgehalt (Großzügigkeit), gute aromatische Komplexheit (insbesondere das Aroma reifer Beerenfrüchte) und Geschmeidigkeit, Rundheit, sowie viel Weichheit am Gaumen.


Merlot

Cabernet franc

Eine weitere häufig im Raum Libourne anzutreffende Rebsorte, die fast 30% der Bestockung in Saint-Emilion darstellt. Diese mittelfrühe Sorte wird auf kalkhaltigen Böden gepflanzt, die durch ihre Beschaffenheit etwas wärmer sind (Sand und Kies).

Cabernet franc sorgt für eine leicht würzige aromatische Finesse, frische und eine ausgeprägte Tanninstruktur, die dem Wein ein hohes Alterungsvermögen verleiht.


Cabernet-Franc

Cabernet sauvignon

Diese Rebsorte macht etwa 10% der Bestockung in Saint-Emilion aus. Es handelt sich um eine spätreife Sorte, die auf warmen und trockenen Böden (sonnig gelegene sand- und kieshaltige sowie ton- und kalkhaltige Böden) gedeiht.

Cabernet sauvignon verleiht dem Wein komplexe Gewürznoten und einen hohen Gerbsäuregehalt, der günstig für ein langsames und harmonisches Heranreifen des Weins ist.

Der Erlass über die Ursprungsbezeichnung Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand cru lässt die Verwendung zweier weiterer Rebsorten zu: Malbec (oder Cot) und Carmenère. Davon wird nur Malbec noch in verschwindend geringen Mengen angebaut.


Cabernet-Sauvignon

Le décret d'A.O.C. Saint-Emilion et Saint-Emilion Grand Cru permet également l'utilisation de deux autres cépages : le malbec (ou cot) et la carmenère. Seul le malbec est encore anecdotiquement utilisé.

Les porte-greffes - Depuis la crise phylloxérique qui ravagea le vignoble français à la fin du siècle dernier, tous les cépages sont greffés sur des souches (porte-greffes) naturellement tolérantes à l'insecte présent dans le sol, responsable de cette maladie. Aujourd'hui, les plants de vigne proviennent donc du greffage d'un porte-greffe (partie racinaire) et d'un greffon (cépage), partie aérienne.

PFROPFUNTERLAGEN

Seit der Reblauskrise, die den französischen Weinbau am Ende des 19. Jahrhunderts fast an den Rand seiner Existenz brachte, sind alle Rebsorten veredelt, das heisst eine europäische Rebsorte wird auf eine Unterlage gepfropft, die gegen die Wurzellaus resistent ist. Ein Rebstock besteht heute immer aus einer Pfropfunterlage (Wurzelteil) und einem Edelreis (Europäerrebe), dem oberirdischen Teil.

Die Veredelung wird von Zuchtanstalten nach strengen Bestimmungen durchgeführt. Seit vielen Jahren schon verwenden die Winzer nur genetisch einheitliche Pflanzen, die durch ungeschlechtliche Vermehrung (Klonen) gewonnen werden. Auf diese Weise vermeidet man starke Schwankungen im Wachstum und im Ertrag. Die Wahl des Winzers betreffs der Unterlage richtet sich nach den Bodenverhältnissen der zu bepflanzenden Parzelle. Es gibt nämlich Unterlagen, die mehr oder weniger gut Trockenheit oder Feuchtigkeit vertragen. Bestimmte Unterlagen sind besonders kalkverträglich und können dadurch die Anfälligkeit der Rebe für Chlorose senken.

In Saint-Emilion werden die Pfropfunterlagen Nr. 101.14, Fercal, Nr. 41B, Nr. 420A, Nr. 3309 am meisten verwendet.


 

 

 

Der Weinbau in Saint-Emilion stellt ein Mosaik kleiner und kleinster Parzellen dar. Diese Zerstückelung beruht auf den Besitzstrukturen, die im ausgehendem Mittelalter entstanden. Der Ausdruck vom "Hügel mit tausend Gütern" ist nicht nur ein geistreiches Wort, sondern entspricht fast der Wirklichkeit, denn für die beiden Ursprungsbezeichnungen Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand cru zusammengenommen gibt es über 800 angemeldete Erzeuger.

Zahl der Betriebe nach Größe
der Rebfläche (Stand: Jahrgang 98)

Fläche Anzahl der Betriebe

Prozentualer Anteil (%)

0 ha bis unter 5 443 52.80%
5 ha bis unter 10 225 26.82%
10 ha bis unter 15 102 12.16%
15 ha bis unter 20 28 3.33%
20 ha bis unter 25 17 2.02%
25 ha bis unter 30 8 0.9%
30 ha bis unter 35 8 0.9%
35 ha bis unter 40 5 0.5%
40 ha bis unter 45 1 0.1%
45 ha bis unter 50 1 0.1%
50 ha bis unter 55 0 0%
55 ha bis unter 60 1 0.1%
60 ha bis unter 65 0 0%
INSGESAMT 839 100,00%

Ein weiteres wichtiges Merkmal des Weinbaus in Saint-Emilion: Im Gegensatz zu anderen Anbaugebieten ist die Rebfläche in den letzten zehn Jahren nicht gewachsen, sondern mit 5400 ha praktisch stationär geblieben.

WEINBAU ALS HANDWERK

Die geringe Größe der Betriebe, die Vielfalt der Rebböden, der Lagen und der Witterungsbedingungen hat den Charakter der Winzer von Saint-Emilion geformt. Mit einem Boden, für den es ganz offensichtlich nicht eine einzige „richtige" Anbaumethode geben kann, mussten sie voneinander lernen und immer wieder ihre Erfahrungen gegeneinander abwiegen, ihre Anbautechnik überprüfen. In Saint-Emilion hat es nie den Junker oder den Gentleman-Farmer gegeben, der ab und zu zur Inspektion seiner Ländereien vorbeikommt.

Der Winzer von Saint-Emilion lebt mit seinem Rebgarten und versucht das Beste aus dem Jahresablauf zu machen. Ee geht auch gern ein Risiko ein, wenn er durch abwartendes Verschieben der Weinlese ein Oechslegrad hinzugewinnen kann. Immer wieder sucht er nach dem optimalen Zusammenspiel von Rebe und Boden, wählt die richtigen Pfropfunterlagen aus, trifft Entscheidungen für Anbau und Pflanzenschutz, die zu einer guten Lese führen. Im Keller gehen die modernsten Tank- und Gäranlagen einträchtig mit der großen Tradition des Ausbaus im Eichenfass einher.

Als Leiter seines Betriebs, der in den meisten Fällen ein Familienbetrieb ist, versteht sich der Winzer in Saint-Emilion vor allem als Handwerker und nicht als Industrieller.

 

GENOSSENSCHAFTSWESEN IN SAINT-EMILION

Während der Weinbau überall in Bordeaux in einer tiefen Krise steckte, wurde in Saint-Emilion 1930 die Idee einer Genossenschaft von Robert Villepigue verfochten. Er war ein ausgezeichneter Agronom und Besitzer eines bekannten Weinguts. Nachdem er die Bürgermeister von Saint-Emilion und der anderen Gemeinden des Anbaugebiets sowie rund 60 Erzeuger überzeugen konnte, gründete er am 4. März 1931 die Union de Producteurs de Saint-Emilion.

Trotz schwieriger Anfänge und hoher Skepsis konnte die neue Genossenschaft rasch die Zahl ihrer Mitglieder und das verarbeitete Volumen steigern. Vor dem zweiten Weltkrieg hatte die Genossenschaft 137 Mitglieder. 1950 wurde die Zahl von 200 überschritten.

Heute* vertrauen 211 Erzeuger aus Saint-Emilion mit rund 720 ha Rebfläche ihre Lese der Union de Producteurs an, die die Weinbereitung, den Ausbau und die Vermarktung von zahlreichen Gütern und Weinen besorgt und damit zum guten Ruf des Anbaugebiets beiträgt.

Die weitläufigen Anlagen der Genossenschaft liegen am Fuß des Hangs an der Straße von Libourne nach Bergerac und besitzen eine Tankkapazität von fast 150 000 hl* für AOC-Weine Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand Cru, ultramoderne Gäranlagen, Fasskeller und einen Lagerkeller für die Jahresproduktion von 3 466 000* Flaschen AOC Saint-Emilion und 1 760 000* Flaschen AOC Saint-Emilion Grand Cru.

 

*Zahlen 98