Während das Zulassungsverfahren (unter Aufsicht des INAO) für alle französischen AOC-Weine (mit kontrollierter Ursprungsbezeichnung) zur Pflicht geworden ist,

geht Saint-Emilion einen Schritt weiter in seinen Anforderungen an die Weinqualität.

So werden seit 1973 die zur Ursprungsbezeichnung Saint-Emilion Grand Cru angemeldeten Wein nicht sofort im ersten Jahr nach der Lese zugelassen, wie dies in allen anderen AOC-Anbaugebieten der Fall ist. Die Prüfung durch den Verkostungsausschuss im Jahr nach der Lese bescheinigt zunächst nur ihre Reifefähigkeit. Erst im darauf folgenden Jahr können die Weine mit Reifefähigkeitszeugnis zur allgemeinen Zulassung eingereicht werden.

Als weitere Auflage kommt bei der Ursprungsbezeichnung Saint-Emilion Grand Cru hinzu, dass der Wein auf dem Gut abgefüllt werden muss.


EINE VERKOSTUNG IN SAINT-EMILION

Keine Flasche Wein kann unter der Ursprungsbezeichnung Saint-Emilion oder Saint-Emilion Grand Cru vermarktet werden, wenn sie nicht erfolgreich die Verkostung durch einen dreiköpfigen Expertenausschuss durchlaufen hat. Diese drei Experten gehören drei verschiedenen Berufsgruppen an: Erzeuger, Weinwissenschaftler, Makler und Händler, wobei in jedem Ausschuss ein Erzeuger vertreten sein muss.

Die Rolle des Verkostungsausschusses

Die Experten sollen zunächst feststellen, ob der Wein fehlerfrei erzeugt wurde. Dann haben sie zu prüfen, ob seine Eigenschaften (Geruch Farbe, Geschmack) mit denjenigen übereinstimmen, die man von einem Wein mit der beantragten Ursprungsbezeichnung erwartet. Die beiden Ursprungsbezeichnungen Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand Cru werden getrennt von unterschiedlichen Ausschüssen verkostet.

Ablauf einer Verkostung

Die Verkoster gehen einzeln bei der Verkostung der ihnen vorgestellten Wein vor. Für jeden Wein füllen sie ein Verkostungsformular aus. Die Ergebnisse werden unter der Leitung eines Agronomen des INAO ausgezählt, der den ordnungsgemäßen Ablauf überwacht. Desweiteren nehmen zwei Mitglieder des technischen Ausschusses des Winzerverbandes an allen Verkostungen (Zulassung AOC und Lagerfähigkeit) teil. In Absprache mit dem Vertreter des INAO überwachen sie die tatsächliche Anwendung der besonderen Verkostungsprinzipien für die beiden Ursprungsbezeichnungen Saint-Emilion und Saint-Emilion Grand Cru.

 

 

 

 

Der Winzerverband von Saint-Emilion hat sich gerade in technischen Fragen schon immer sehr fortschrittlich gezeigt, um Qualitätserzeugnisse zu erzielen.

Pollenfänger und Beobachtung der Traubenblüte

Saint-Emilion ist mit einem Pollenfänger ausgestattet, mit dessen Hilfe man sich ein genaues Bild über den Ablauf der Blüte machen kann. Auf diese Weise erhält man Hinweise, welche Arbeiten eventuell durchgeführt werden müssen, um eine gleichmäßige Traubenentwicklung zu fördern.

Technische Beratung

Der Winzerverband unterhält für seine Mitglieder eine Weinbauberatungsstelle, die technische Information und Beratung betreibt. Sie ist auch mit der Betreuung von Zulassungsverfahren und Versuchen betraut und stellt ein wichtiges Glied in der Qualitätssicherung in Saint-Emilion dar.

Fortbildung der Winzer

Der Winzerverband bietet jedes Jahr Fortbildungslehrgänge für Winzer und Arbeitnehmer der Weinbaubetriebe von Saint-Emilion an. Themen der Schulungsseminare sind Fragen des Anbaus und der Weinbereitung, aber auch der Allgemeinbildung (Englisch für Winzer).